Wie Ostern im Sommer

Ein wichtiger Rollenspieler, der extra von Luka Pavicevic nach Berlin geholt wurde heuert für zwei Jahre bei der TBB Trier an. Klingt komisch, oder? Ist aber so. Trier hat nun den „Eiergott“ der BBL in seinen Reihen.

Mit seinem Buzzerbeater für ALBA Berlin im Eurocup gegen Teramo verdiente sich Dragan Dojcin seinen Spitznamen. In Berlin wurde er hochgeschätzt für sein Spielverständnis und seine Bereitschaft die Dinge zu tun, die nicht in der Statsline auftauchen. Mit 34 Jahren ist er natürlich nicht mehr im besten Basketballalter, aber im Interview mit Christian Schmidt sagte er schon, er fühle sich eher wie 24 (Das Interview wurde von Tom Rüdell hier übersetzt und niedergeschrieben. Das komplette Interview zum nachhören findet ihr hier.).

Bei Alba Berlin ein solider Rollenspieler mit leistungstechnischen Ausreißern in alle Richtungen und in Trier der neue Kapitän und ein Leistungsträger? Kann das funktionieren? Nun, zum einen wird Dojcin in Trier mehr Freiheiten in der Offensive erhalten. In der abgelaufenen Saison bei Alba erzielt Dragan in 36 Spielen (inklusive Playoffs) durchschnittlich 5,9 Punkte in 24:18 Minuten. Dabei nahm er im Schnitt 4,5 Würfe aus dem Feld pro Spiel. Nur zum Vergleich, Julius Jenkins nahm 10,54 Würfe pro Spiel in der letzten Saison. Wenn er also in seiner Zeit in der Offensive öfters die Chance zum Abschluss bekommt, sehe ich hier schon eine mögliche Steigerung auf vielleicht 8 oder 9 Punkte im Schnitt. Zumal seine Trefferquote in der regulären Saison nur knapp unter 50% war.

Neben diesem in Statistiken erkennbarem Wert für die TBB und der Defense, die er bringen kann, ist Dragan ja nicht nur ein Spieler für die TBB, sondern auch der neue Kapitän. Er sieht sich auch selbst in dieser Rolle, vor allem vor dem Konzept, dass Rödl in Trier verfolgt. Er will ein Mentor für die jüngeren Spieler im Team sein. Allein Maik Zirbes wird sich von Dojcin einiges abgucken können, was man so unter dem Korb alles anstellen kann. Dojcin sieht sich selbst als das Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft. Als die Person, die sich mit einem Spieler zusammensetzt, bevor es öffentlich Probleme gibt oder das Mannschaftsgefüge zu sehr aus den Fugen gerät.

Die Frage nach der Finanzierung dieses Coups stellt sich aber natürlich auch. Aber ist Dragan überhaupt ein so teurer Spieler, nur weil er von Alba Berlin kommt? Er ist 34 Jahre alt und sicher eher im Herbst seiner Karriere. Er scheint auch eher auf der Suche nach einem Team zu sein, wo er langfristig bleiben kann und nicht wo er am meißten Geld verdient. Dazu spricht er offen davon, eine Trainerkarriere nach seiner Spielerkarriere anzustreben. All das hört sich für mich nicht nach einem Pfennigfuchser mit Basketballaffinität an. Den ein oder anderen richtig teuren Spieler wird sich die TBB sicherlich noch leisten müssen. Aber Dragan Dojcin wird wohl nicht der größte Ausgabenposten im Etat sein.

Alles in allem ist nicht nur die Verpflichtung als solche sehr positiv zu sehen. Auch der Zeitpunkt, mit Dragan Dojcin als ersten Neuzugang und dann direkt auch als Kapitän zu verpflichten zeigt, dass in Trier im Moment einiges richtig zu laufen scheint. In jedem Fall haben wir schon jetzt im Sommer einiges an Eiern dazu bekommen, auch wenn das nächste Ostern noch einige Monate entfernt ist. Ich bin sehr gespannt, was als nächstes folgt in der seit langem unterhaltsamsten Offseason der Trierer Basketballgeschichte.

 

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2 Kommentare zu Wie Ostern im Sommer

  1. gruebler sagt:

    Danke für den Link. Grundsätzlich teile ich deine Einschätzung. Aber unterschätz‘ nicht, dass Dragan immerhin zwei Jahre ein solider Rotationsspieler in Euroleague und EuroCup war. Solche Spieler findet man bei den BBL-Zugängen insgesamt eher selten. Ganz billig wird er daher wohl auch nicht gewesen sein, wenngleich er sich aus persönlichen Gründen für einen Verbleib in Deutschland entschieden hat. In einigen Punkten ähnelt es dem Transfer von Nadjfeji nach Tübingen, auch wenn es unterschiedliche Spielertypen sind. Doch eine Entwicklung wie in Tübingen wäre – gerade in Anbetracht des vermutlich etwas geringeren Etats – kommende Saison für die Trierer vermutlich schon mehr als nur Planerfüllung, oder?

     
  2. pforsberg sagt:

    Oh ja ein solider Platz im Tabellenmittelfeld gewürzt mit einigen jungen deutschen Minuten wäre für mich zumindest ein Traumergebnis. Ich glaube aber vor allem daher nicht an einen so teuren Dojcin, weil dann neben den deutschen Rotationsspielern allein für die Quote kaum Geld mehr übrig wäre für einen gut scorenden Ami oder Jugo oder sonstwas. Mit Dojcin als Topscorer zu planen wäre meiner Meinung nach etwas fahrlässig.

     

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