Wie aus einem bösen Traum erwacht

Was man im Moment als Trierer Fan erleben darf ist nicht weniger als großartig. Denn nicht nur die Ergebnisse und der Einsatz stimmen im Moment, sondern vor allem der Vergleich mit den TBB-Mannschaften der letzten Jahre zaubert dem geneigten Fan immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht. Alles in allem ist es, als erwache man aus einem jahrelangen Traum und als würde die gesamte Fanszene so langsam mit aus dem Dämmerzustand erwachen.

Man kann diese Entwicklung an sechs Kategorien beobachten. An Hand dieser kann man nun vergleichen, wieso die Mannschaft der TBB auf einmal so richtig viel Spaß macht.

1. Sportliche Leistung:

Am einfachsten sind natürlich die nackten Zahlen zu bewerten. Dabei ist nicht nur die Startbilanz von 5-3 Siegen beachtlich. Dies stellt, wie der Triererische Volksfreund erkannt hat den besten Saisonstart der TBB in diesem Jahrtausend dar. Ein großes Manko in den vergangenen Spielzeiten waren dazu vor allem die Rebounds. In den letzten drei Spielzeiten war die TBB Trier immer die Mannschaft mit den wenigsten Rebounds in der ganzen Liga. Nicht in einer Saison konnte das Team im Schnitt mehr als 30 Rebounds pro Spiel sammeln. Und diese Saison? 33,4 Rebounds im Schnitt und damit mitten im Liga-Mittelfeld.

2. Auswärtsstärke

Auch hier lassen wir doch einfach mal ein paar nackte Fakten mit ein paar ausgewählten Auswärtsergebnissen der TBB sprechen:

Saison 2007/2008
92:70 Ulm
72:54 Frankfurt
95:71 Bamberg
Saison 2008/2009
76:53 Frankfurt
96:63 Paderborn
91:66 Oldenburg
Saison 2009/2010:
93:65 Ludwigsburg
81:48 Oldenburg
82:66 Bonn
Saison 2010/2011:
73:72 Bremerhaven
68:66 Oldenburg
70:77 Hagen
69:82 Ludwigsburg

Was sagt uns das? In noch keinem Auswärtsspiel hat die Mannschaft sich abschlachten lassen. Man muss sich mal auf der Zunge zergehen lassen, dass die Mannschaft jetzt schon so viele Auswärtssiehe hat, wie im kompletten letzten Jahr. Und das es in den letzten drei Jahren kein einziges Mal gelungen ist, zwei Auswärtsspiele in Folge zu gewinnen. Auch wenn in den ersten Spielen Fehler gemacht wurden, wie am Ende der ersten beiden Auswärtsspiele, hat das Team dem Gegner jedes Mal den eigenen Spielstil aufgedrückt. In Ludwigsburg konnte man richtig schön sehen, wie ein Gameplan umgesetzt wurde und wie eine geschlossene Mannschaft spielt. Egal ob zu Hause oder Auswärts – das Team nimmt immer die positiven Aspekte der Kulisse mit.

3. Philosophie

Die aktuelle Mannschaft, vor allem aber Head-Coach Henrik Rödl, hat eine Philosophie. Dies hat Rödl schon jetzt seinen Vorgängern Defraigne und Whelton voraus. Bei den beiden letztgenannten beschränkte sich die Philosophie darauf, dass man einen oder mehrere starke Individualisten auf dem Feld hat. Im Gegensatz dazu spielt die aktuelle TBB wie aus einem Guss. Der Stil ist hierbei klar: Defense first! Dazu kommt aber auch, dass vorne sehr kluge und schöne Spielzüge gespielt werden, die manchmal spektakulärer aussehen, als so mancher Dunking, der aus dem 1on1 erzielt wird. Und als wäre das nicht genug, hat Coach Rödl augenscheinlich auch immer einen Gameplan, der auf den Gegner zugeschnitten ist. In Hagen hieß das Stichwort Tempokontrolle. In Ludwigsburg sollte der Fastbreak häufiger gelaufen werden. Was wird in Berlin nötig sein? Wir werden es erfahren, aber ich bin mir sicher, dass Henrik Rödl schon einen Plan ausgearbeitet hat.

4. Teamgeist

Okay das Team aus der Ära Defraigne war ein spaßiges. In der Art und Weise, wie nach Siegen getanzt wird, kann man sogar noch das Erbe eines Jamal Shulers erkennen. Aber so sehr die Spaßtruppe auch neben dem Feld nett anzusehen war, so sehr hat man so richtigen Teamgeist damals vermissen lassen. Sei es, dass James Gillingham seine Mitspieler in einer Spielpause anschnauzen musste, dass sie doch gefälligst Defense spielen sollen. Oder das leider so oft gesehene langsame Zurücktraben nach Ballverlusten oder schlechten Würfen. Das aktuelle Team ist als allererstes auf dem Court eine Einheit. Jeder schmeißt sich Bällen hinterher. Es werden Blöcke am Ball oder fernab davon konsequent gestellt, so dass die Mitspieler immer wieder frei werden. Ausboxen ist bei der aktuellen TBB keine Einzeldisziplin, sondern auch ein Teamsport, der dafür sorgt, dass es keinen Jamal Shuler mehr gibt, der mit Krakenarmen viele Bälle einsammelt. Stattdessen wird jeder Gegner vom Offensivrebound abzuhalten versucht, damit der Ball einem der Mitspieler in die Hände fällt.

5. Stimmung & Fans

Zugegeben, der Saisonstart verlief Stimmungstechnisch mies. Zwei Auswärtsfahrten mussten mangels Anmeldungen abgesagt werden. Bei den ersten drei Heimspielen war die Stimmung allenfalls gegen Ende gut. Aber dann kam das Spiel gegen Bonn mit sehr guter Stimmung von Anfang an. Beim Spiel in Hagen waren zwar nur eine Handvoll Fans dabei, aber diese wurden endlich mit einem sehr überzeugenden Spiel belohnt. Und in Ludwigsburg waren wir dann ohne Bus mit etwa 20 bis 30 Personen, einigen Trommeln, zwei aufgehängten Bannern und zwei Fahnen und sorgten für eine große Party. Ob das im Rest der Halle so ankam wissen wir nicht, aber dass das Team nach dem Spiel hoch in den Fanblock kam, zeigt, dass unsere Unterstützung bei der Mannschaft angekommen ist.
Gegen Bayreuth wird diese großartige Stimmung hoffentlich weiter hochgehalten, selbst wenn die Mannschaft verlieren sollte. Aber wie heißt die Phrase noch gleich so schön: „Da wächst was zusammen!“

6. Öffentlichkeitsarbeit

Die TBB feuert im Moment auf vielen Kanälen. Natürlich auch bedingt durch die schnelle Abfolge der Spiele, aber im Moment kann man jeden Tag etwas über den Trierer Profibasketball lesen. Sei es die neu eingeführte Presseschau jeden Montag, oder kleine Gewinnspiele bei Facebook, mit denen man Karten für die kommenden Spiele gewinnen kann. Auch der Youtube-Kanal der TBB wird mittlerweile regelmäßig befüllt und zu allen Spielen gibt teilweise sogar am gleichen Tag noch die Pressekonferenz online. Was jetzt noch zum absoluten Glück fehlen würde, wäre eine Zusammenfassung der Heimspiele als Zusammenschnitt.

Nicht nur angesichts dieser 6 Punkte fühlt man sich, wie am Ende eines bösen Traums in Trier. Mit jedem Spiel, in dem sich diese Truppe den Hintern aufreißt – mit jeder Aktion in der die Mannschaft näher an die Fans rückt – mit jedem Zuschauer mehr in der Arena und mit jedem, der sich wieder für eine Auswärtsfahrt anmeldet wächst das Gefühl, dass hier etwas Großes heranwächst. Und die guten Worte aus dem Rest von Basketballdeutschland, die viel Lob und Anerkennung für das Risiko enthalten, welches hier eingegangen wurde, machen mich als Trierer Basketballfan wirklich stolz.

 

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4 Kommentare zu Wie aus einem bösen Traum erwacht

  1. Heiko Schmitz sagt:

    Da gibt es nichts, absolut nichts hinzuzufügen!

     
  2. bam sagt:

    wirklich sehr schön geschrieben.
    dazu 2 anmerkungen, in hagen waren es schon etwas mehr als eine handvoll.
    und zu der öffentlichkeitsarbeit, zusammenfassung find ich gut. gibts diese saison kein tbb inside mehr? hab das immer gern gesehen, auch wenns keine richtige zusammenfassung war.
    allerdings muss ich auch sagen, die zusammenfassung bzw highlights, die alba berlin immer online stellt find ich absolut nicht schön anzusehen. ich frag mich immer warum die so oft unspektakuläre, teilweise sogar schlechte spielszenen zusammenschneiden.

     
  3. Tom sagt:

    Hi,
    zu der Frage, ob und wie das in LuBu ankam: Ein Kollege der Ludwigsburger Lokalpresse hat mir in den höchsten Tönen seine BEgeisterung über das Team und das ganze Konzept geschildert, er können u.a. nicht verstehen, wieso „Henrik Rödl offiziell immer noch gegen den Abstieg spielt“. Worauf ich sagte, dass ich diese vorschtige Einschätzung im Vergleich zu den Vorjahren sehr okay fände. Er meinte weiter, dass er so eine Party im Fanblock, die zudem von einem Spieler (er will Philip Zwiener als „Anstifter ausgemacht haben) initiiert wurde, in LuBu noch nie gesehen habe. Konkret heißt das: Sowohl das Team auf dem Parkett als auch der Haufen Verrückter auf der Galerie hat da mächtig Punkte gesammelt.

    Nur weiter so!

    T.

     
  4. Pingback: Rauschen im Blätterwald #55 « gruebelei.de – Ansichten eines Basketballfans

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