Zielgerichtete Pfiffe? Was soll das sein?

Auch wenn ich ein TBB-Fan bin und mir der Trierer Basketball doch am allermeisten am Herzen liegt, verfolge ich mit allergrößter Spannung die restliche Liga. Am dritten Spieltag gab es da zum Beispiel das Spiel der Fraport Skyliners Frankfurt gegen die s.Oliver Baskets aus Würzburg. Endstand 80:78 für die Gastgeber. Doch gegen diese Spielwertung haben die Würzburger Protest eingelegt, der mittlerweile in erster Instanz von der Spielleitung abgewiesen wurde. Nicht nur die Begründung dieser Entscheidung bereitet mir aber extremes Kopfschütteln.

Zunächst einmal zur eigentlichen Situation: In der 24. Minute des Spiels waren die Skyliners im Angriff und spielten den Ball unter den Korb. Kurze Zeit später gab es einen deutlich zu vernehmenden Pfiff (siehe Video) und auch den Beginn einer Geste des pfeifenden Schiedsrichters. Würzburg stellte daraufhin das Spielen ein, jedoch ging es weiter und Joe Herber konnte einen komplett freien Dreier treffen. Dieser Dreier wurde gezählt, was wiederum Gästecoach John Patrick auf die Palme brachte, was ihm ein technisches Foul einbrachte. In diesem Video von TV Touring (etwa ab Minute 9:10) ist die gesamte Situation noch einmal genau zu sehen und vor allem zu hören. Soviel zu den Fakten.

Zunächst zwei Zitate aus den offiziellen Basketballregeln, Regel V – Spielvorschriften:

Art. 19.2: Der Ball wird zum toten Ball, wenn
– …
– ein Schiedsrichter pfeift, während der Ball belebt ist.

Art 25.1.1: Ein Korb ist erzielt, wenn ein belebter Ball von oben in den Korb geht und darin verbleibt oder durchfällt.

Die Argumentation, vor allem im entsprechenden Thread von schoenen-dunk.de derer, die eine Spielwiederholung wollen lautet zumeist, der Ball war durch den Pfiff des Referees sofort „tot“ und es können mit einem „toten“ Ball keine Punkte mehr erzielt werden. Das diese aber durch die Offiziellen doch bewilligt wurde ist ein klarer Verstoß gegen die oben stehenden Regeln. Es ist also keine Fehlentscheidung, wie sie in einem Spiel zu Hauf passieren, wie ein falscher Foulpfiff, ob ein Spieler auf der Dreierlinie stand, etc. Genau so wenig kann man die Rechtmäßigkeit des technischen Fouls gegen Patrick bezweifeln, auch wenn der Grund für seine Beschwerde vielleicht gerechtfertigt war.

Die einzige Sache, die also hier nicht stimmt – und da stimmen eigentlich alle Diskutanten zu – ist das Zählen der drei Punkte von Herber. Nun stellt sich allerdings die Frage: Das Spiel dauerte zu diesem Zeitpunkt noch weitere 16 Minuten. Einen falschen Dreier kann in dieser Zeit normalerweise ja jedes Team irgendwie wieder aufholen. Der Buzzer-Beater der Frankfurter, mit dem der Sieg eingefahren wurde wurde ja sogar mit der Schlussirene erzielt. Hierzu ein Zitat von Beko BBL-Spielleiter Dirk Horstmann aus einem Artikel in der „Main-Post“:

“ Ob diese Szene den Spielausgang wesentlich beeinflusst hat, ist für Horstmann nun „das entscheidende Kriterium, an dem man das Ganze messen muss“, erklärte der Spielleiter gegenüber der Frankfurter Neuen Presse.“

Doch wo soll man in einem solchen Fall die Grenze ziehen? Ist nicht jede einzelne Situation für das Spiel entscheidend? Weil wenn nicht – könnte man sich die ganzen 40 Minuten auch sparen und einfach nur eine Minute spielen lassen. Oder vielleicht doch zwei? Da wird es schon direkt wieder unglaublich schwierig zu sagen, ab wie vielen Minuten vor Schluss eine solche Regelwidrigkeit keinen Einfluss mehr auf das Spielergebnis haben soll.

Meine Meinung dazu ist recht eindeutig. Ich finde, dass jede einzelne Situation in einem Spiel immer auf Grund der Regeln und der Ermessensspielräume der Schiedsrichter behandelt werden sollte. Im gegebenen Fall hatten die Refs allerdings keinen solchen Spielraum, da ein Pfiff den Ball unwiderlegbar und unkorrigierbar „tot“ macht (ich weiß, ich wiederhole mich). Wenn es also dazu kommt, dass auf Grund einer Entscheidung, die nicht im Ermessensspielraum der Offiziellen lag und die dazu noch gegen die Regeln war, eine Mannschaft benachteiligt wird, ist es meinem Rechtsverständnis nach völlig legitim für diese Mannschaft gegen die Wertung zu protestieren. Und meiner Meinung nach müsste diesem Protest auch eindeutig stattgegeben werden. Dabei spielt es im Übrigen auch keine Rolle, wie es zu dem Zeitpunkt des Regelverstoßes stand und auch wie genau das Spiel ausgegangen ist. Den Frankfurtern wurde an diesem Spieltag ein Korb zuerkannt, den es den offiziellen Regeln zu folge nicht geben kann (ihr erinnert euch? Pfiff = toter Ball).

Nun gab es also heute die Entscheidung der Spielleitung und es wurde entschieden, dass die Wertung so bestehen bleibt, wie bisher. So halb habe ich auch damit gerechnet, jedoch zog mir die Begründung des Ganzen tatsächlich die Schuhe aus:

„Kein Schiedsrichter hat das Spiel durch einen zielgerichteten Pfiff unterbrochen beziehungsweise unterbrechen wollen“

Ich hab also richtig verstanden liebe Spielleitung? Wenn ich das nächste Mal als Spieler einen Pfiff höre, dann werde ich einen Teufel tun und das Spielen einstellen? Es könnte ja sein, dass dieser Pfiff nicht „zielgerichtet“ war? Vielleicht hat der Schiedsrichter ja nur in seine Pfeife geniest, oder ihm ist ein bestimmter Rythmus durch den Kopf gegangen, den er einfach mitpfeifen musste?

Aber mal im Ernst – wenn ich eine Sportart ausübe, denn muss ich mich doch felsenfest darauf verlassen können, dass das Spiel unterbrochen ist, sobald ich einen Pfiff aus der Pfeife eines Schiedsrichter höre. Es geht einfach nicht anders. Die Schiedsrichter haben doch schon die Aufgabe das Spiel zu leiten. Sie sind es, die klare Entscheidungen treffen. Foul oder nicht Foul. Aus oder noch im Feld. Dreier oder kein Dreier. Als Spieler weiß ich, dass wenn ein Pfiff kommt, entweder ich, oder mein Gegner einen Regelverstoß begangen hat. Mit dieser Begründung hat also die Spielleitung sowohl den Schiedsrichtern als auch den Spielern einen Bärendienst erwiesen.

Ich fasse also noch einmal zusammen. Dass ein Regelverstoß seitens der Offiziellen geschehen ist, ist offensichtlich. Zunächst sagte Spielleiter Dirk Horstmann, dass geklärt werden müsse, ob die Szene spielentscheidend war. Nun wird der Protest aber damit abgewiesen, dass es keinen „zielgerichteten“ Pfiff gab, also alles nur ein Unfall war. Diese Abfolge ist meiner Meinung nach an Unglücklichkeit kaum zu überbieten. Die Begründung ist, wie ich finde einfach nur willkürlich und wirkt auf mich, als sollte ein Wiederholungsspiel unbedingt verhindert werden. Daher finde ich es völlig richtig, dass die Würzburger gegen diese Entscheidung Berufung einlegen werden in der sie, wie ich es sehe auch keine so schlechten Chancen haben sollten.

 

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3 Kommentare zu Zielgerichtete Pfiffe? Was soll das sein?

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  2. Heiko Schmitz sagt:

    Armes Deutschland, deine Schiedsrichter! Aber schlimmer noch, wie sich Veranwortliche um die Verantwortung drücken, die notwendigen Entscheidungen zu treffen! Erinnert mich sehr an die aktuelle Situation in der Politik! Was ist nur los in Deutschland? Hat denn niemand mehr Eier?

     
  3. bam sagt:

    weiß ja nicht ob du politiker oder schiris bist. wenn nicht, bitte nicht so großmäulig. erstmal selber verantwortung übernehmen.
    zurück zur sache: alles einfach und sachlich und vor allem logisch erklärt. Vor allem „Es ist also keine Fehlentscheidung, wie sie in einem Spiel zu Hauf passieren, wie ein falscher Foulpfiff, ob ein Spieler auf der Dreierlinie stand, etc.“. Die Szene zeigt die angedeutete Bewegung klar, da hat der Schiri einfach seinen pfiff vielleicht voreilig gemacht, hätte dann aber auch konsequent seinen falschen pfiff verantworten müssen. das der fehler geschehen ist, ist für mich menschlich und nachvollziehbar. dennoch kanns nicht ohne konsequenzen bleiben.
    so wie es in der justiz bei formfehlern i d R neu verhandelt wird, muss das spiel wiederholt werden. auch wenns sehr unangenehm und aufwendig ist.

     

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